Wir brauchen einen zukunftsweisenden Zehn-Jahresplan für den Mannheimer Stadtwald

Themengebiet:
Wälder
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Nachdem im  Mannheimer Ausschuss für Umwelt und Technik am 23.06.2020 die Entscheidung über den Zehn-Jahresplan der Forsteinrichtung vertagt wurde, fand am 16.07.2020 der angekündigte Walddialog statt. In dem konstruktiven Termin entstand ein bereichernder Austausch. Dass der Mannheimer Stadtwald gezielte Hilfestellung benötigt, war dabei allen Beteiligten bewusst. Über die Frage, wie diese Hilfe auszusehen hat, hat Greenpeace eine klare Position: nur ein vorsichtig zurückhaltendes und schonendes Vorgehen hilft unseren Wäldern jetzt noch - forstliche Technokratie ist in diesen Zeiten fehl am Platz.

Mit Verwunderung haben wir daher zur Kenntnis genommen, dass nun erneut der ursprüngliche Plan, über den bereits im Juni 2020 entschieden werden sollte, zur Entscheidung vorgelegt wurde, da dieser die Dialogveranstaltung nicht würdigt.

Wir bitten den Gemeinderat, die folgenden Plankorrekturen vorzunehmen:

  1. Der Holzeinschlag ist auf 0 Efm festzusetzen und somit rein auf die zufällige Nutzung zu beschränken.
    Keine geplante Auflichtung der Bestände – nur so ist die Entwicklung zu einem gesunden und widerstandsfähigen Wald unter den Extrembedingungen des fortschreitenden Klimawandels zu gewährleisten. Der im Plan vorgesehene Holzeinschlag basiert auf dem stichprobenartig ermittelten Holzvorrat aus 2018. Da hierin die eingetretenen Waldschäden der Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 nicht berücksichtigt sind, sollte dieser nicht als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. (Quelle: FE100, Seite 6 unter „Vorrat“, 2. Punkt)
  2. Die geplante Waldverjüngung ist ausschließlich mit heimischen Baumarten umzusetzen.
    Das breite Spektrum unserer heimischen Baumarten ist im Stadtwald lange nicht ausgeschöpft und bietet die Möglichkeit der Risikostreuung in Bezug auf die Klimastabilität. Junge Linden-, Ahorn- sowie Wildobstbaumarten sind – trotz der Witterungsbedingungen der letzten Jahre - äußerst vital. Wir raten daher, zunächst das hier vorhandene Potential auszuschöpfen. Experimente mit nicht heimischen Baumarten bergen das Risiko, die heimische, ohnehin geschwächte Vegetation zu gefährden (siehe angehängtes Factsheet „Gewinner und Beobachtungen“ / Ulmen- & Eschensterben) und sollten zum Schutz unserer Biodiversität nicht zum Einsatz kommen.
  3. Vorrang für Naturverjüngung und Förderung der Entstehung von Vorwäldern auf Kahlflächen sowie Etablierung eines Neophyten-Management für den Stadtwald.
    In der Biologie des Stadtwaldes ist der Klimawandel bereits angekommen; so entstehen heute keine Nadelreinbestände mehr durch Naturverjüngung. Vielmehr verjüngen sich in ehemaligen Nadelbeständen heute Laubbaumarten – der Wandel findet bereits statt. Es ist an der Zeit, diesen Wandel zuzulassen. Damit die ca. 5000 heimischen Jungpflanzen pro ha eine Chance haben, ist das sanfte Zurückdrängen der Neophyten im Mannheimer Stadtwald unabkömmlich (siehe Anhang: "Handlungsempfehlung STK").
  4. Flächige Räumungen für Pflanzungen sind auszuschließen, geplante Pflanzungen sind vorsichtig und wohl überlegt an geeigneter Stelle in den Bestand zu integrieren.
    Gesunder Waldboden ist die Basis für die nächste Waldgeneration. Um ihre wasser- und nährstoffspeichernde Wirkung behalten und entfalten zu können, sollten die Böden unbedingt geschont werden. Hierfür ist auf die Befahrung mit schwerem Gerät sowie ein Pflügen der Böden zu verzichten. Handlungsalternativen sind vorhanden.
     

Wir bitten den Gemeinderat, die folgenden Ergänzungen aufzunehmen:

  1. Jährliche Beschlussvorlage der Forsteinrichtung über die geplanten Maßnahmen, sowie Bericht über die durchgeführten Maßnahmen. Neben den Koordinaten der betreffenden Flächen und einer genauen Beschreibung der auszuführenden Arbeiten (kommen Maschinen zum Einsatz, welche Maschinen, was genau wird entnommen bzw. gepflanzt, nach welcher Methode, etc.) ist auch der Eingriff in das Waldökosystem mit einer Chancen-Risiko-Analyse darzulegen.
    Jahrespläne geben dem Gemeinderat und den Bürgern die nötige Transparenz. Sie ermöglichen den Stakeholdern, die geplanten Maßnahmen zu bewerten und später auch deren Entwicklung mitzuverfolgen.
  2. Der Stadtwald wird innerhalb der nächsten 2 Jahre nach FSC zertifiziert.
    Die aktuelle PEFC-Zertifizierung wird den gestellten Anforderungen nicht gerecht. Beispielsweise werden zerstörende Maßnahmen wie flächiges Befahren der Böden etc. unter diesem Siegel nicht geahndet, noch wird deren Unterlassen honoriert. Der Mannheimer Stadtwald darf seinen Wechsel in der Bewirtschaftung auch nach außen zeigen.
     

Greenpeace, alle Mannheimer Bürger, die ihren Stadtwald lieben, sowie die gesamte Lebewelt der Wälder danken Ihnen von Herzen.

Achtung Redaktionen: Für Rückfragen ist Tanja Kaufmann unter der Mobilnummer 0176-32914048 zu erreichen.

 

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