Weichen für das Neuenheimer Feld richtig stellen

Greenpeace Mannheim-Heidelberg fordert vom Gemeinderat Bekenntnis zu nachhaltiger Stadtentwicklung

Themengebiet:
Klimawandel
  • vor dem DKFZ Heidelberg
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Montag, 8:30 Uhr, Rush-Hour im Neuenheimer Feld. Die Straßen sind größtenteils leer, Radfahrer und Fußgänger prägen das Bild. An den Instituten herrscht geschäftiges Treiben, allerdings nicht in den Büros, sondern in den Privaträumen der Mitarbeiter. Parkhäuser stehen ungenutzt in der Gegend, als Mahnmale einer betongewordenen verfehlten Zielsetzung in der Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte. Realität in Heidelberg zu Zeiten des erst kürzlich beendeten Corona-Lockdowns.

Greenpeace Mannheim Heidelberg kritisiert vor diesem Hintergrund Bestrebungen von Seiten der Projektträger des laufenden Masterplan-Verfahrens, der Stadt Heidelberg und bestimmter Parteien, die städtebauliche und verkehrspolitische Entwicklung der letzten Jahrzehnte fortzuschreiben und nicht dem ökologisch nachhaltigsten Entwurf den Vorzug zu geben. Nach Ansicht der Organisation müssen vor dem Hintergrund des ausgerufenen Klimanotstandes und den absehbaren Veränderungen in der Arbeitswelt, unter anderem ausgelöst durch die Corona-Pandemie, eine konsequente Verkehrswende und eine Bestandsentwicklung absoluten Vorrang bei den Planungen haben.

Am 23. Juli wird der Gemeinderat der Stadt Heidelberg eine wichtige Weichenstellung treffen. An diesem Tag soll eine Entscheidung gefällt werden, welches der beiden Büros aus dem laufenden Masterplan-Verfahren, ASTOC oder Höger, in der nächsten Phase seine Planung fortführen soll. Obwohl der Entwurf des Büros Höger die gesetzten Ziele mit den geringsten Umweltbelastungen erfüllt, wollen die Projektträger, die Stadt und einige Parteien lediglich ASTOC mit weiteren Planungen beauftragen. „Wenn es die Stadt und der Gemeinderat ernst meinen mit Klimaschutz und einer nachhaltigen Stadtentwicklung, dann kann es nur eine Entscheidung für das konsequent ökologische Konzept von Höger geben“, kommentiert dazu Martin Bösel, Mobilitäts-Ansprechpartner bei Greenpeace Mannheim-Heidelberg. „Höger lässt als einziges Büro die so wertvolle Fläche des Hühnersteins unangetastet, plant einen Campus-Straba-Ring, der für die Lösung des Verkehrsproblems unerlässlich ist, und kommt ohne die ökologisch fatale fünfte Neckarquerung und Nordzubringer aus“. Dies erreicht das Büro vor allem mit einer konsequenten Bewirtschaftung und Reduzierung des Parkraums im Neuenheimer Feld.

Greenpeace enttäuscht über Missachtung des Bürgerwillens durch die Stadt

„Wir sind entsetzt, dass Vertreter der Stadt Heidelberg als angebliche Klima-Hauptstadt meinen, das Team Höger diskreditieren zu müssen und dadurch die Gemeinderatsentscheidung zugunsten des anderen Entwurfs zu beeinflussen“, sagt Bösel. Ein unabhängiger Faktencheck durch Mitglieder des Bündnisses Bürgerbeteiligung hat ergeben, dass die vorgebrachten Argumente gegen Höger einer Überprüfung nicht standhalten. Die CDU behauptet, Höger würde "nicht einmal die vorgegebenen Rahmenbedingungen einhalten", die FDP spricht von "Arbeitsplätzen in Kellern". Laut der Überprüfung des Bündnisses Bürgerbeteiligung erfüllt Höger alle Vorgaben ohne die ökologischen Nachteile des anderen Konzepts. Dafür mit einer Straba-Ringbahn im Feld und einer konsequenten Reduktion des Parkplatzangebotes. Darüber hinaus ergab eine abschließende Bewertung der Konzepte der Planungsteams im Rahmen der Bürgerbeteiligung in allen Punkten ein Votum für das Büro Höger, während das Büro ASTOC hier nicht genannt wird. „Wir fordern deshalb alle Parteien auf, die Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, und nicht zu versuchen, mit falschen Behauptungen das Ergebnis des Masterplan-Verfahrens zu Gunsten eines weder städtebaulich noch verkehrspolitisch nachhaltigen Entwurfs zu beeinflussen“, schließt Bösel.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Martin Bösel, Tel. 0170-7318688. Internet: www.greenpeace.de/kampagnen/verkehrswende.

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