Wald in Sandhausen „nicht besonders schützenswert“

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Wälder

Heidelberg, 12. 07. 2020 – Der geplanten Sportplatzerweiterung für den Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen sollen um die 2,5 Hektar Wald in der Schwetzinger Hardt zum Opfer fallen. Dies will die Bürgerinitiative Pro Waldschutz durch eine Petition verhindern. Nachdem laut Berichterstattung der Rhein-Neckar-Zeitung das baden-württembergische Wirtschaftsministerium nun geäußert hat, das betroffene Waldstück sei „nicht besonders schützenswert“, sieht es Greenpeace Mannheim-Heidelberg als seine Aufgabe, einige Tatsachen zur Sprache zu bringen.

Das Ministerium argumentiert, das Gebiet sei "nur" als naturnaher Waldbestand eingestuft und der Artenschutz nur geringfügig betroffen. Greenpeace Mannheim-Heidelberg ist hingegen überzeugt, dass in der Oberrheinebene grundsätzlich jedes Stück Wald erhalten werden muss, weil durch die zunehmenden Hitze- und Dürreperioden im Zuge des Klimawandels alle Waldgebiete der Region grundsätzlich gefährdet sind. Ein als Ausgleichsfläche neu angepflanzter Wald ist ungleich anfälliger für diese Auswirkungen, da er noch kein zusammenhängendes Kronen­dach und dadurch kein ausgleichend-kühlendes Mikroklima entwickelt hat. Es dauert Jahrzehnte, bis ein neu gepflanzter Wald Funktionen wie Biodiversität, Klima­schutz, Trinkwasserspeicher oder Immissionsschutz erfüllen kann.

Als naturnah eingestufte Waldgebiete haben ein weitgehend intaktes Ökosystem, in dem sich die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten gut ergänzen und auch anderen Gefahren (wie z. B. Käferbefall) standhalten können. Naturnaher Wald ist im Vergleich zu Neupflanzungen außerdem sehr viel wertvoller für die Bio­diversität (genetische sowie Artenvielfalt) und für die Erholung der Bürger.

Lebensraum für streng geschützte Fledermausart

Ferner konnte in dem rodungsgefährdeten Waldgebiet die Bechsteinfledermaus nachgewiesen werden. Diese ist in Anhang II und Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet, was bedeutet, dass erstens die Lebensräume dieser Art erhalten werden sollen und zweitens die Art streng geschützt ist. Gleichzeitig ist die Bechstein­fleder­maus eine Verantwortungsart innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundes­regierung. Laut Aussage von Brigitte Heinz, Fledermausexpertin des BUND, benötigt die Art zusammenhängende und gewachsene Waldstrukturen. Je mehr diese schwinden, desto kleiner wird auch der Lebensraum der Bechstein­fleder­maus und damit ihre Überlebenschancen.

Schutzgebietsverluste – auch wenn es sich „nur“ um ein Trinkwasserschutzgebiet der „niedrigsten Stufe“ (so der Landesbetrieb Forst BW) handelt – sind nach Ansicht von Greenpeace immer zu vermeiden. Gerade in der intensiv genutzten Ober­rhein­ebene besteht Grundwasserverunreinigungsgefahr. Denn die Zone III schützt die äußeren Bereiche der unterirdischen Einzugsgebiete für die Trinkwassergewinnung.

Dass das Wirtschaftsministerium seine Stellungnahme zur Petition der BI „Pro Waldschutz“ nicht veröffentlicht hat, ist bedauerlich. Aus Sicht von Greenpeace Mannheim-Heidelberg wäre es zudem wünschenswert, eine Stellungnahme des Umweltministeriums zum Vergleich anzufordern, da dessen Betrachtung zum Eingriff in das Waldschutzgebiet ebenso relevant ist. Eine rein wirt­schaft­liche Bewertung der Rodung ist keine ausreichende Argumentation, denn ökologische und soziale Kriterien fehlen. Jedoch dürften die sozialen Kriterien zum Erhalt der Waldfläche als erfüllt gelten, da der Wald jedem Erholungssuchenden offensteht.

Im Sinne der Nachhaltigkeit kommen also nicht nur die ökologischen Aspekte wieder einmal zu kurz. Mit Blick auf das Gemeinwohl, das alle drei Kriterien umfasst, wäre es da nicht richtig, nach Alternativgebieten für die geplanten Sportplätze zu suchen?

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