Verpasste Chancen für Heidelberg

Mit dem Gehzeug durch die Hauptstraße für die dringend nötige Verkehrswende

Themengebiet:
Klimawandel
  • Gehzeug vor der Heiliggeistkirche
  • Kornmarkt
  • Transparent mit Gehzeug
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Heidelberg, 11.08.2020 – Greenpeace Mannheim-Heidelberg hat am vergangenen Samstag mit einer Aktion in Heidelbergs Altstadt auf die verpassten Chancen in der Verkehrspolitik in Heidelberg während des vergangenen Corona-Lockdowns aufmerksam gemacht. Die Aktivistinnen und Aktivisten liefen mit einem selbstgebauten Gehzeug und einem Transparent „Verkehrswende jetzt!“ durch die gut gefüllte Hauptstraße. Bei dem Gehzeug handelt es sich um ein Holzgestell mit den Maßen eines Mittelklasse-PKWs, das von einer Person getragen wird, und so den immensen Platzbedarf des motorisierten Individualverkehrs verdeutlicht.

Die Aktion erregte viel Aufmerksamkeit und wurde auch von zahlreichen Passanten mittels Smartphone dokumentiert. Einige Passanten hatten ähnliche Aktionen schon in anderen Städten erlebt, u.a. in Wien, und erinnerten sich beim Anblick des Gehzeugs in Heidelbergs Flaniermeile daran.

„Wir sind enttäuscht über den mangelnden Gestaltungswillen von Seiten der Stadtverwaltung beim Thema Autoverkehr in Heidelberg“, sagt Katrin Scharpf, Mobilitäts-Ansprechpartnerin bei Greenpeace Mannheim-Heidelberg. „Gerade der Lockdown während der ersten Corona-Welle hat zahlreiche Chancen für kurzfristige Maßnahmen für die dringend notwendige Verkehrswende eröffnet“. Während andere Städte wie Berlin oder auch das benachbarte Mannheim diese konsequent ergriffen und z.B. viele Kilometer neuer Fahrradspuren auswiesen (sogenannte Pop Up Bikelanes), hat Heidelberg bis heute keine einzige Pop Up Bikelane im Stadtgebiet eingerichtet. Dabei erfreut sich auch das Fahrrad wachsender Beliebtheit auch in der Studentenstadt und es gibt im Stadtgebiet leider viele Verkehrsbereiche mit einem hohen Risiko teils schwerer Fahrrad-Unfälle. „Uns ist es unverständlich, weshalb z.B. die zu Corona-Zeiten praktisch leere Berliner Allee keine Pop Up Bikelane bekommen hat“, ärgert sich Scharpf. „Dies hätte nicht nur dem Klima genützt, sondern auch den verkehrsgeplagten Anwohnern in Bergheim und Neuenheim.“

Mannheim fördert Wirtschaft und Klima mit weniger Platz für Autos

Wie man erfolgreich öffentlichen Raum weg vom Auto umverteilen kann, zeigt aktuell auch wieder die Nachbarstadt Mannheim. Dort haben Gastronomen jetzt die Möglichkeit, unbürokratisch ehemalige Parkplätze zu Außenbereichen für ihre Gastronomiebetriebe umzugestalten. Neben einem verminderten Gesundheitsrisiko durch den größeren Abstand zwischen den Tischen fördert dies auch die Lebensqualität in den betreffenden Straßen und ermöglicht den von der Corona-Krise schwer getroffenen Gastronomiebetrieben neue Perspektiven. „Anstatt öder Blechkisten stehen jetzt bunte Blumenkästen auf den ehemaligen Parkplätzen und Restaurantbesucher und Anwohner freuen sich über weniger Verkehrslärm“, sagt Martin Bösel, Greenpeace-Aktiver, der in Mannheim arbeitet. Heidelberg hat dagegen keine vergleichbaren Maßnahmen getroffen, um den Autoverkehr zu beschränken und die lokale Gastronomie zu fördern. „Wenn Heidelberg seiner selbst ernannten Rolle als Klimahauptstadt gerecht werden will und für mehr Lebensqualität für die Bürger sorgen will, dann müssen OB Würzner und die Stadtverwaltung endlich die Beißhemmung gegenüber dem privilegierten Autoverkehr verlieren“, schließt Bösel.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Martin Bösel, Tel. 0170-7318688. Internet: www.greenpeace.de/kampagnen/verkehrswende

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