Verkehrswende für Heidelberg umsetzen

Umweltschützer demonstrieren in Heidelberg für eine konsequente Verkehrspolitik weg vom Auto

Themengebiet:
Klimawandel

Heidelberg, 23.10.2019 – Mit einem Demonstrationszug durch die Heidelberger Innenstadt wollen Ehrenamtliche der Greenpeace Gruppe Mannheim-Heidelberg am Samstag, den 26. Oktober auf die Auswirkungen des Autoverkehrs in Städten aufmerksam machen. Dazu werden die Aktivisten von 13 bis 15 Uhr mit sogenannten Gehzeugen auf der Hauptstraße vom Bismarckplatz zum Kornmarkt laufen. Gehzeuge sind Holzgestelle mit den Maßen eines Mittelklasse-PKWs, die von jeweils einem Menschen getragen werden.

Greenpeace Mannheim-Heidelberg will damit auf die unzureichenden Bemühungen der Stadt für eine konsequente Verkehrswende hinweisen. Trotz eines Ausbaus des ÖPNV in den letzten Jahren und neuen Radwegen hat der Autoverkehr immer noch an vielen Stellen Vorfahrt. Dies macht den Nahverkehr für Nutzer unattraktiv, trotz der Investitionen für dessen Verbesserung. So hat Heidelberg im Gegensatz zu vielen anderen Städten keine konsequente Vorrangschaltung an Ampeln und Kreuzungen für Straßenbahnen und Busse, was diese ausbremst und den ÖPNV in der Stadt in den letzten Jahren sogar verlangsamt hat. Radfahrer müssen auf ihrem Weg oft mit viel zu schmalen Radwegen auskommen, was nicht zuletzt ein Sicherheitsrisiko darstellt. So verunglücken seit 2011 mehr Radfahrer innerorts als Autofahrer. Der Platz, den Autos in der Stadt einnehmen, fehlt den restlichen Verkehrsteilnehmern und den Bürgern bei der Freizeitnutzung und Erholung.

Weg vom Auto, für mehr Klimaschutz und lebenswerte Städte

„Obwohl Heidelberg den Klimanotstand ausgerufen hat, will die Stadt immer noch nicht konsequent das Auto aus dem Verkehr verdrängen“, sagt Martin Bösel, Mobilitäts-Ansprechpartner bei der lokalen Greenpeace-Gruppe. „Dabei wird ohne eine drastische Reduktion des Autoverkehrs der Klimaschutz scheitern“. So sind nach Angaben der Internationalen Energieagentur die CO2-Emissionen durch „Stadtgeländewagen“ (SUVs) stärker gestiegen als die der Luftfahrt und Schwerindustrie. Auch in Heidelberg ist der Autoverkehr einer der größten Verursacher von Treibhausgasen. Berücksichtigt man z. B. die Verkehrsemissionen bei der Energiebilanz für die Bahnstadt, dann verliert dieser angebliche Vorzeige-Stadtteil einen Großteil der bei den Gebäuden eingesparten Energie wieder durch die Auspuffe der vielen Autos, die dort angemeldet sind.

„Besonders ärgerlich ist die Diskussion um das Neuenheimer Feld“, findet Bösel. „Hier wird von den Projektträgern mit den Vorgaben der 60er und 70er Jahre geplant, als ob es den Klimawandel oder Fridays for Future nicht gäbe.“ Bestes Beispiel ist die kategorische Ablehnung einer leistungsfähigen, zentralen Straßenbahn durch das Feld, obwohl die ursprünglich geplante Trasse primär an formalen Gesichtspunkten vor Gericht scheiterte. Daneben sehen drei der vier Planungsbüros einen massiven, weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für die Autofahrer mit P&R-Parkplätzen für teilweise bis zu mehrere Tausend Autos vor. Eine konsequente Reduktion des Parkplatzangebots zugunsten des Umweltverbunds findet sich dagegen nur im Vorschlag eines Büros. „Wenn es Heidelberg mit dem Klimaschutz ernst meint, dann müssen beim Masterplanverfahren dringend Gesichtspunkte wie Klimaschutz und eine Reduktion des Autoverkehrs in den Vordergrund rücken. Sonst hat die Stadt keine Chance, ihre Klimaschutz-Ziele zu erreichen“, schließt Bösel.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Martin Bösel, Tel. 0170-7318688. Internet: www.greenpeace.de/kampagnen/verkehrswende

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