Buchenwald-Zerstörung mit FSC-Siegel

Themengebiet:
Wälder
  • Lichtung im Buchenwald,  März 2018
  • Gefällte Höhlenbäume,  März 2018
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Viernheim, 19. März 2018 – Greenpeace Mannheim-Heidelberg beklagt zum „Internationalen Tag des Waldes“ am 21. März den trotz bestätigter FSC-Zertifizierung weitergehenden Raubbau an den noch vorhandenen Buchenwald-Bereichen im Viernheimer-Lampertheimer Wald. So hat das Forstamt Lampertheim kürzlich ca. zwei Hektar Buchenwald in der Abteilung 127 massiv aufgelichtet, obwohl dieser Waldbereich als Schutzgebiet für den Buchenwald nach europäischer Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie ausgewiesen ist. Die Auflichtung verändert nicht nur das Wald-Innenklima massiv, sie benachteiligt auch den schattenliebenden Buchenjungwuchs. Darüber hinaus wurden wieder wertvolle Habitatbäume gefällt, obwohl nach eigener Darstellung des Forstamtes im Gebiet maximal lediglich sechs solcher Bäume pro Hektar auswiesen sind. Die FSC-Standards fordern dagegen einen Zielwert von zehn solcher Bäume pro Hektar Waldfläche.

Missstand wird vom Zertifizierer und FSC Deutschland ignoriert

„Die starke Auflichtung der geschützten Buchenwaldbereiche war einer unserer Hauptkritikpunkte beim FSC-Sonderaudit letztes Jahr“, erinnert Martin Bösel, Wald-Ansprechpartner von Greenpeace Mannheim-Heidelberg. „Leider hat der Zertifizierer IMO diesen Punkt mit dem Vorwand abgetan, Waldbauprogramme seien nicht Gegenstand des Audits“, führt er weiter aus.

Dabei führt das Forstamt die Wald-Auflichtungen zur Förderung der Eiche ausgerechnet in den Bereichen des Waldes durch, die vom Land Hessen als geschützter Hainsimsen-Buchenwald nach Brüssel gemeldet wurden. Im FSC-Sonderauditbericht findet man dazu keine klaren Aussagen, IMO folgt hier der Oberen Naturschutzbehörde, die wie das Forstamt vor allem die Eiche im Viernheimer-Lampertheimer Wald fördern will. „Wir unterstützen prinzipiell den Schutz der an Eiche gebundenen Arten, allerdings ist es nicht nachvollziehbar, weshalb hierzu geschützte Buchenwaldbereiche geschädigt werden müssen. Es gibt im Waldgebiet genug andere, unkritische Standorte zur Eichenförderung“, hält Bösel dem entgegen.

Erneute Fällung von Höhlenbäumen

Unter den gefällten Bäumen waren auch diesmal wieder Höhlenbäume, die nach ökologischen Gesichtspunkten unbedingt im Wald hätten bleiben müssen. „Während Hessen-Forst hier die Öffentlichkeit belügt und behauptet, die von FSC geforderten zehn Habitatbäume pro Hektar Waldfläche seien vorhanden, sorgt das Forstamt Lampertheim dafür, dass mit jeder Einschlagsaison immer mehr dieser Bäume aus dem Wald verschwinden“, ärgert sich Bösel. Die fortgesetzte Entnahme dieser Bäume durch das Forstamt Lampertheim bedroht den Bestand vieler, teils streng geschützter Arten im Gebiet. Dabei spricht sich auch das Bundesamt für Naturschutz in einer Empfehlung für den Erhalt von im Gebiet vorkommenden, geschützten Fledermaus-Arten ausdrücklich für eine Anzahl von deutlich mehr als zehn Höhlenbäumen pro Hektar aus. „Es ist absurd; die für den Artenschutz zuständige Obere Naturschutzbehörde arbeitet  mit dem Forstamt Hand in Hand, um nach und nach die Lebensgrundlage streng geschützter Arten wie der Bechsteinfledermaus zu zerstören.“, sagt Bösel. “Dabei könnten bei einer angepassten, naturnahen Forstwirtschaft sowohl die an Buche als auch die an Eiche gebundenen Arten eine Zukunft haben“, macht er deutlich.

Achtung Redaktionen: Für Rückfragen oder hochauflösende Fotos ist Martin Bösel, Wald-Ansprechpartner bei Greenpeace Mannheim-Heidelberg, unter der Mobilnummer 0170-7318688 zu erreichen.

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