Liebe CDU: Nein zu Glyphosat!

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Vierzehn Bürgerinnen und Bürger aus der Region, darunter einige Mitglieder von Greenpeace Mannheim-Heidelberg, demonstrierten am 23. November für ein Verbot des Ackergifts Glyphosat an der CDU-Geschäftsstelle in Dossenheim. Das Ackergift steht im Verdacht, Krebs auszulösen, und trägt durch die Vernichtung vieler Wildkräuter zum Artensterben bei. Die EU-weite Zulassung von Glyphosat läuft Mitte Dezember aus - doch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) befürworten eine erneute Genehmigung.

Die Teilnehmer der Kundgebung sprachen vor der Geschäftsstelle der Heidelberger CDU mit dem Vorstandsvorsitzenden, Alexander Föhr. Mit Pappinsekten und -vögeln, die von einem als Monsanto-Mitarbeiter verkleideten Herrn mit „Glyphosat“ aus einer Sprühflasche bedroht wurden, verdeutlichten sie die Gefahr für unsere einheimische Tierwelt, die von Herbiziden wie Glyphosat ausgeht. Das Artensterben in Deutschland hat dramatische Ausmaße angenommen, seit 1989 sind laut wissenschaftlichen Untersuchungen 76 % der Fluginsekten verschwunden. Da viele Vogelarten sich oder ihren Nachwuchs mit Insekten ernähren, weitet sich das Artensterben auch auf die Vogelwelt aus.

Herr Föhr erklärte, dass es der CDU nur noch um eine Verlängerung der Erlaubnis für Glyphosat um fünf Jahre gehe, damit in dieser Zeit ein Ausstieg erreicht werden könne und die Landwirte Zeit hätten, sich auf eine Bewirtschaftung ihrer Felder ohne Glyphosat einzustellen. Die Protestierenden entgegneten, dass die Landwirte genug Zeit gehabt hätten, denn die Zulassung für Glyphosat läuft im Dezember 2017 aus und es sei zu keiner Zeit sicher gewesen, dass sie verlängert wird. Außerdem sei das Insektensterben derart brisant, dass man nicht fünf weitere Jahre Glyphosat anwenden dürfe. Eine der anwesenden Bürgerinnen, Barbara Roy, berichtete, dass es in Regionen Chinas keine Bienen mehr gäbe, und die Obstbäume von Menschenhand mit Pinseln bestäubt werden müssten, ein Szenario, was auch uns in Deutschland drohe, wenn nicht umgesteuert werde.

Im Gespräch wurde auch die Verantwortung privater Gartenbesitzer und städtebaulicher Verantwortlicher betont. Mittlerweile ist es leider Mode, naturferne Gärten mit Kies, englischem Rasen und (giftigen) Kirschlorbeerhecken anzulegen, in denen kein einheimisches Tier noch Nahrung und Unterschlupf findet. In diesem Zusammenhang wurde auch gefordert, das Handschuhsheimer Feld als Ort der Artenvielfalt und für die regionale Versorgung der Heidelberger mit Obst und Gemüse zu erhalten.

Martin Krauch, der als Landwirt 60 Hektar Land in Leutershausen bewirtschaftet, ist Anfang Juli diesen Jahres auf ökologische Bewirtschaftung umgestiegen. Er brachte zwei jetzt nicht mehr benötigte Roundup-Kanister (Wirkstoff: Glyphosat) mit, die er eindrucksvoll zu Protestmitteln umgestaltet hatte. Auf der Rückseite waren Fotos von missgebildeten Neugeborenen zu sehen. Herr Krauch erläuterte, dass Glyphosat Missbildungen bei Schweinen und Kühen hervorrufe, die mit Genfutter aus Argentinien oder mit glyphosathaltigem Futter aus deutschen Feldern gefüttert wurden. In Argentinien, wo Glyphosat von Flugzeugen aus versprüht werde, kämen auch viele Babies mit Missbildungen auf die Welt und die Krebsrate sei in diesen Gebieten sehr hoch.
Herr Krauch betonte, dass Glyphosat in der Landwirtschaft nicht zwingend notwendig sei. Es gäbe Alternativen wie das Säen von Gründüngung und Zwischensaaten, damit der Boden ganzjährig komplett bedeckt ist. Diese Verfahren würden die Bodenqualität sehr verbessern. In den USA dagegen wüchsen auf 25 Mio. Hektar glyphosatresistente „Superunkräuter“. Diese Flächen werden deswegen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. In Kulturen mit "roundup ready" Saatgut gab es einen zehnmal höheren Aufwand von Roundup.

Barbara Roy überreichte Herrn Föhr zum Schluss mehrere Flugblätter einer deutschlandweit agierenden Bürgerbewegung mit einer kurzen Zusammenfassung der Forderungen an die CDU und mit der Bitte, diese Flyer an seine Kollegen in der CDU weiterzugeben. Außerdem erhielt er ein Plagiatsgutachten von Dr. Stefan Weber: Die Beurteilung der CDU und auch der EU-Kommission, Glyphosat sei nicht krebserregend, beruht auf einem Gutachten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), das in großen Teilen Wort für Wort von einem Gutachten des Konzerns Monsanto (dessen Verkaufsschlager glyphosathaltige Mittel sind) abgeschrieben wurde, ohne das Monsanto-Gutachten als Quelle zu nennen.

Herr Föhr zeigte sich den Argumenten der Gruppe gegenüber sehr aufgeschlossen und betonte, dass es ihm persönlich am liebsten wäre, wenn Glyphosat schnellstmöglich verschwinden würde. Er versprach, die Forderungen für ein Verbot von Glyphosat in Europa an seine Parteikollegen weiterzuleiten.Von Herrn Krauch nahm er die Einladung an, sich den Betrieb in Leuterhausen anzuschauen.

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